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Tracking-Apps als Schutzschild gegen COVID-19 und ihre Risiken

Die Digitalisierung leistet aktuell einen wichtigen Beitrag, um die Corona-Krise in den Griff zu bekommen. Trotz Ausgangsbeschränkungen, die rund um den Globus erlassen wurden, laufen Privat- und Arbeitsleben in vielen Bereichen weiter - wenn auch teils spürbar eingeschränkt.
 

Die Bereitschaft zur Digitalisierung wächst

Möglich wird das erst durch die in diesen Tagen stark wachsende Bereitschaft zur Nutzung digitaler Lösungen. Der wöchentliche Einkauf? Kein Problem, mobile Services liefern die Onlinebestellung aus dem Supermarkt bis vor die eigene Haustür. Verzicht auf Kultur? Keineswegs, das Angebot streambarer Kulturveranstaltungen wächst derzeit ebenso stark wie das Verlangen nach persönlichen Kontakten. Schulferien bis zum Sommer? Wohl kaum, selbst das Unterrichts- und Hausaufgabenmaterial der Schulen und Bildungseinrichtungen steht jetzt schon vor 08:00 Uhr pünktlich zum Download bereit. Durch die Corona-Krise wird das World Wide Web in diesen Tagen zur Selbstverständlichkeit und überzeugt selbst hartnäckige Skeptiker.

Diese Tendenz setzt sich im Arbeitsleben fort. Ob Videokonferenzen, Onlineberatung oder Remote-Trainings aus dem Home-Office, was vor einigen Wochen in der Wirtschaft und Verwaltung noch undenkbar war, ist plötzlich integraler Bestandteil des Geschäftsalltags und hilft, die Produktivität der Industrie und behördliche Dienste wenngleich auf schmerzlich reduziertem Niveau weiter aufrechtzuerhalten.

Apps im Kampf gegen Corona

Seit Mitte März drängt sich verstärkt ein anderes Digitalisierungsthema in den Vordergrund. Die Rufe nach der Nutzung von Bewegungs- und Kontaktdaten von Smartphones zur Eindämmung des Coronavirus werden auch in Deutschland spürbar lauter. Ziel ist es, die Kontaktwege von infizierten Personen flächendeckend und schnell nachzuvollziehen und somit der weiteren Ausbreitung von Covid-19 unter Zuhilfenahme der Digitalisierung entschlossen entgegenzuwirken. Derzeit erfassen Gesundheitsämter die Kontakte eines Menschen, der positiv auf das Coronavirus getestet wurde, vielfach noch mit Bleistift, Papier und Telefon - in Zeiten von stark ausgelasteter Personalressourcen eine Herkulesaufgabe. Würde sich die Corona-App in Deutschland durchsetzen, könnte sie vielleicht auch Teil der Exit-Strategie der Bundesregierung werden, um die angeordneten Kontaktverbote und andere Beschränkungen schrittweise zu lockern.

Chancen bergen Risiken

Bei allem Hype um Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung gilt es jedoch, die Risiken zu kennen und ihnen entschlossen entgegenzuwirken. Vielen Corona Apps erscheinen aus europäischer Sicht mit der heißen Nadel gestrickt. Das zielt zum einen auf die Funktionalität, auf der anderen Seite werden Datenschutz und IT-Sicherheit von vielen Stellen zurecht in Frage gestellt. Netzaktivisten und weite Teile der Bevölkerung mutmaßen deshalb eine Reihe politischer Tabubrüche, gerade in Datenschutzfragen – und das mit hoher Geschwindigkeit, die kaum einen gesellschaftlichen Diskurs zulässt. Als TÜViT möchten wir uns als unabhängige Prüfinstitution an der öffentlichen Diskussion beteiligen und die Perspektive prüfbarer Datensicherheit ins Zentrum der Debatte stellen. Nur wenn das gelingt, schaffen wir nachhaltiges Vertrauen in Digitale Lösungen – auch und gerade in Zeiten der Corona-Pandemie.

Lesen Sie hierzu ein Interview mit Dirk Kretzschmar, Geschäftsführer der TÜV Informationstechnik GmbH.

Ein Blick in andere Länder

Andere Länder machen vor, wie Apps zur Eindämmung des Corona-Virus genutzt werden können. So verkündete Singapurs Außenminister Vivian Balakrishnan jüngst, dass 620.000 Bürger die staatliche Corona-Tracking-App bereits installiert hätten. Im selben Atemzug bedankt er sich für das Vertrauen der Bürger. Auch das in vielen Medien als Vorbild in Corona-Zeiten auserkorene Südkorea bedient sich einer Tracking-App. Um potenziell Infizierte ausfindig zu machen, dient die Rückverfolgung von Smartphone-Daten als zentrales Element. In Südkorea geschieht das Tracking auf freiwilliger Basis.

Der Ursprung, eine Handy-App im Kampf gegen die Ausbreitung von Corona zu nutzen, liegt vermutlich in China. Die dort im Einsatz befindliche App weist Bürgen mittels grünem, gelbem oder rotem QR-Code an, wie sie sich verhalten dürfen. Zuletzt sind Corona-Apps auch bis nach Europa vorgedrungen. So setzt auch Österreich zur Pandemie-Bekämpfung inzwischen auf eine vom Roten Kreuz entwickelte App namens "Stopp Corona".
 

Singapur: TraceTogether

TraceTogether basiert nicht auf Standortdaten, sondern misst den Abstand zwischen Personen mithilfe von Bluetooth und speichert ihn lokal auf dem Smartphone - "um die Privatsphäre zu wahren", wie es im Manifest der Entwickler heißt. Auch würden die Namen der Nutzer nicht abgefragt, stattdessen vergibt die App verschlüsselte, temporäre IDs. Wer durch eine Coronavirus-Infektion an der Lungenkrankheit Covid-19 erkrankt, kann dem Gesundheitsministerium Zugriff auf das in seiner App gespeicherte Bewegungsprofil geben, damit die Behörde alle App-Nutzer kontaktieren kann, die in den 21 Tagen zuvor in der Nähe des Erkrankten waren. Doch aus Datenschutzsicht unbedenklich ist TraceTogether nicht: Zur Registrierung ist die Handynummer nötig, die Regierung könnte die IDs notfalls entschlüsseln und außerdem dürfen Infizierte den Zugriff auf ihre App-Daten letztlich gar nicht ablehnen, weil das so in Singapurs Seuchenschutzgesetz festgelegt ist.

Quelle: Spiegel

China: Health Code App

Mit der Health Code App erhält jeder Bürger eine personalisierte Einschätzung seiner Infektionswahrscheinlichkeit. Daraus abgeleitet werden die individuelle Bewegungsfreiheit oder ob häusliche Quarantäne oder gar medizinische Isolation nötig sind. Zur Auswertung werden dabei Angaben des Bürgers, aber wohl auch weitere auf dem Smartphone gespeicherte Information verwendet. Know-how und Technologie liefert der hierzulande vollkommen unterschätzte Alibaba-Konzern.

Quelle: Tagesspiegel

Österreich: Stopp Corona

Neben Singapur und China sind auch europäische Staaten auf dem Vormarsch. Österreich setzt zur Pandemie-Bekämpfung auf eine vom Roten Kreuz entwickelte App namens "Stopp Corona". Persönliche Begegnungen werden auch in diesem Fall via Bluetooth erfasst und mit einem sogenannten „digitalen Handschlag“ anonymisiert gespeichert. Infiziert sich ein Nutzer der App, werden alle Kontaktpersonen der zurückliegenden 48 Stunden informiert.

Quelle: Süddeutsche